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Retriever in Not - zur Startseite

Jeder Tag zählt! Von dem Glück, einer Hundeomi ein Zuhause zu geben

Javiera kam im Februar 2009 aus einer belgischen Vermehrerfarm zu Retriever in Not. Die elfjährige Hündin war jahrelang als Zuchthündin missbraucht worden. Schon ihre Pflegestelle war etwas Besonderes: ihre ersten Erfahrungen mit ihrem neuen Leben machte sie auf einer Nordseeinsel. Es scheint ihr gefallen zu haben, denn als sie adoptiert wurde, fiel ihre Wahl auf eine wander- und reiselustige Familie mit einem fröhlichen Schokolabbi, der ihr zum Freund wurde. Drei Jahre hat Javi jeden Tag mit ihrer neuen Familie genossen.

Vor wenigen Wochen ist sie über die Regenbogenbrücke gegangen. Ihrer Familie hat Javi das Herz für das Leben mit einem Hundesenior geöffnet.

„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“
Cicely Saunders


"Dieses hier ist kein Appell, eine graue Schnauze aufzunehmen,… es ist nur eine bzw. unsere kleine Erfahrung/ Geschichte … mit einem alten Hund, der zu uns kam.

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Wir hatten uns bewusst für einen älteren Zweithund entschieden, denn wir mussten vermeiden, dass unser Labrador, der auch mit den klassischen Labrador- Krankheiten ED und HD ausgestattet ist, mit Gleichaltrigen oder Jüngeren zu sehr herumtollt und somit seine Probleme „spielend“ verschlimmert.

Wir fanden Javiera, … also Javi.

11 Jahre alt, ausgemusterte Gebärmaschine einer Vermehrungsstation, vollgepumpt mit Hormonen – daher sozusagen „dauerläufig“, Mangelerscheinungen, klapperig, untrainiert und kaum einen vernünftig ausgebildeten Muskel an den Beinen, wenig freundlich gegenüber anderen Hunden, keinerlei Erziehung, weltfremd,… aber Menschen gegenüber sehr, sehr verschmust und anhänglich; Sie hatte wohl früher keinen ausreichenden Platz und zeigte Freude und/ oder Aufregung erst einmal nur dadurch, dass Sie mit den Vorderbeinen ein wenig auf der Stelle hüpfte und dabei die Rute, die sich ständig eingeklemmt zwischen den Hinterbeinen befand, ein wenig hin und her schwang.

Die Bilder im Internet sahen eigentlich prima aus – als wir sie dann aber live sahen, waren wir schockiert; wir hatten beide den gleichen Gedanken: Was tun wir uns da bitte gerade an? Sollen wir nicht doch erst noch einmal weiterhin zu Dritt bleiben?
Wir haben Javi mitgenommen; zwar mit einem nicht ganz so guten Gefühl, wie wir uns das auf dem Hinweg ausgemalt hatten, aber wir wollten sie kennenlernen – und das ging nur, wenn sie mit uns kam.

Bei uns ist es wie bei allen anderen: Wir mögen junge Hunde/ Welpen. Wir mögen es, die Entwicklung/ das Heranwachsen zu beobachten; die Erziehung („unverbaut“) selbst in der Hand zu haben und dem Hund in klar definierten Grenzen seinen eigentlichen Charakter ausleben/ ausprägen zu lassen; das ist Freude pur, auch wenn es mal Probleme, Rückschritte o.ä. gibt. Die Welpenbilder von unserem Rüden sind heute noch ein Hingucker.
Und jetzt?
Jetzt stehen wir hier mit einer 11-Jährigen, wo auf den ersten Blick kaum mehr als nur Defizite erkennbar sind. Nein,… falsch,… wir erkannten auch umgehend ihre Leidenschaft; es waren … leere Plastikflaschen. Leere Plastikflaschen?! War das etwa bisher immer ihr schönstes Spielzeug gewesen, was man ihr vielleicht in den Zwinger geschmissen hatte?! Was bitte hatte dieser Hund in seinen 11 Jahren bisher an Freude erleben dürfen? Wenn sie eine solche Flasche hatte, wurden von dem eigentlich verschmusten und anhänglichen Hund auch mal gerne die Zähne gezeigt, wenn die Hand zu nah kam, um zu signalisieren, dass er nicht einmal im Traum daran dachte, diese herrliche Beute jemals wieder herzugeben.

Wir haben kein Helfersyndrom oder ähnliches – aber spätestens jetzt war klar, dass sie bleiben wird und das wir ihr für die Zeit, die sie noch hat, einen hundegerechten Lebensabend ermöglichen wollen. Zu hundegerecht gehört für uns neben viel Zeit und Liebe aber auch, das bereits bestehende, sehr klare Regelwerk nicht aufgrund von Mitleid o.ä. aufzulösen; in unserem Verständnis muss jeder in einer Familie wissen, wohin er gehört – sonst gibt es ein Durcheinander und Unruhe, zumal man ja auch nicht bei dem einen etwas durchgehen lassen kann (weil er ja halt so arm dran war), was man dem anderen verbietet bzw. über Jahre verboten hat.
Javi kannte so gut wie nichts - und Javi konnte auch so gut wie nichts; eigentlich hatten wir somit einen alten Junghund. Einziger Unterschied, unsere „alter Welpe“ machte nicht in die Wohnung.

Man sagte uns, dass wir uns darauf einstellen müssten, dass ein Tier dieser Rasse mit dieser Vorgeschichte in dem Alter vielleicht noch 1 oder 1 ½ Jahre hat.
Es wurden drei!
Es wurden drei wunderschöne und intensive Jahre, in denen wir ähnliches beobachten und erleben durften, wie damals, als der 12 Wochen alte Rüde bei uns einzog.

Natürlich haben wir uns u.a. wegen der absehbaren Zeit bei der Erziehung nur auf die wirklich wichtigen Sachen konzentriert und auf allen zwar netten, aber nicht überlebenswichtigen „Schmuck am Nachthemd“ verzichtet. Wichtig war uns, dass sie ohne Leine frei laufen kann („Hier“), „Aus“ macht, wenn sie etwas im Maul hat, was dort nicht hingehört, sitzen bleibt, wenn sie sitzen soll/ muss und nicht einfach losrennt (z.B. an der Straße) u.s.w.. Ein bisschen „Schmuck am Nachthemd“ hat sie sich zu unserer Freude bei Janusch dann einfach abgeschaut – z.B. funktionierte es plötzlich einfach so von alleine, dass sie sich auf Entfernung auf Handzeichen (war eigentlich gar nicht für sie gedacht) setzte und unser Kommen erwartete, so wie wir es mit dem eigentlichen Adressaten dieses Befehls trainiert hatten.

Wir schauten Woche für Woche einer wunderschönen und rasanten Entwicklung zu und feierten immer wieder Erfolge körperlicher und erziehungstechnischer Art, die ihr und uns schnell ein immer freieres Agieren ermöglichten. Ähnlich wie man es mit einem jungen Hund tut, ging`s z.B. auch immer nur im Doppelpack zum Tierarzt, der dann, wenn der eigentliche Patient behandelt war, mal so tat, als ob er etwas untersuchen würde, um dann ein Leckerchen zu verteilen. Beim ersten Blutabnehmen „lagen“ wir mit drei Leuten auf Javi, um sie zu halten, und mussten dann aus Sicherheitsgründen auch noch zum Maulkorb greifen – an die Beine gehen, wollte sie einfach nicht zulassen. Nachdem sie eine Zeit bei uns war, reichte es dann bei der Abnahme völlig aus, den Kopf zu streicheln („ist ja gut Kleine, ist gleich vorbei“). Vertrauen baute sich auf; es entstand ein unsichtbares Band.

Es hat Spaß gemacht,… es hat verdammt viel Spaß gemacht und es war eine tolle Erfahrung, zu erleben, wie ein Tier, dass zuvor wahrlich keine gute Zeit hatte bzw. positive Erfahrungen machen durfte, augenscheinlich alles Erlebte und alle angebrachten Vorbehalte über Bord wirft und dir sukzessive sein ganzes Vertrauen schenkt.

Es hat uns verdammt viel Spaß gemacht, zu sehen, wie eine „Oma“ anfängt, neugierig die Welt zu entdecken. Selbstverständlich auf eine bisschen andere Art und Weise als ein junger Hund das tut; nicht immer „volle Pulle“, aber doch häufig so ungestüm, wie es die alten Knochen halt noch zulassen.
Es hat uns berührt, mit anzusehen, wie viel Freude, Leben, Vertrauen und Offenheit in diesen Hund zurückkehrte oder ggf. sogar erstmals entstand.

Nach dem traurigen Tod von Javi wurden wir gefragt, ob wir das wieder machen würden, ein solches Tier aufzunehmen. Die Antwort ist ein klares „Ja“ und dabei geht es gar nicht darum, vielleicht das Gefühl haben zu wollen, evtl. etwas Gutes zu tun oder als „Gutmensch“ von anderen betrachtet zu werden, weil man sich ja aufopfert, um diesem armen (und was auch immer noch) Tier zu helfen; alles Quatsch für uns.

Bei der ersten grauen Schnauze war es ganz einfach nur deshalb, weil wir nur einen ruhigeren, nicht ständig tobenden Hund einziehen lassen konnten. Die nächste graue Schnauze wird aber definitiv einziehen, weil wir einfach eine so wunderschöne Erfahrung gemacht haben und nun hoffen, dieses nochmals in ähnlicher Form mit ansehen/ beeinflussen/ erleben zu dürfen. Mit Javi trafen wir damals eine eher rationale Entscheidung; nach den gemeinsamen Erlebnissen mit ihr entscheiden wir uns jetzt emotional für eine(n) „Alte(n)“.

Der geneigte Leser fragt sich inzwischen bestimmt schon: Warum schreiben die das hier eigentlich?
Wir werden das gerne beantworten.
Es sind wahrscheinlich zwei Gründe. Einerseits hilft es, zu verarbeiten, dass Javi nun nach drei Jahren gestorben ist. Aandererseits möchten wir Leuten auf der Suche nach ihrem Hund unser Erlebnis zur Verfügung stellen; was man mit dem kleinen Erfahrungsbericht macht, ist jedem selbst überlassen.
Er soll vielleicht nur einen kleinen Gegenpol zu ansonsten häufig erlebten Reaktionen bei dem Thema „einen alten Hund aufnehmen“ sein, denn auch uns hatte man gewarnt, bzw. wurden Hände vor Köpfen zusammengeschlagen und wir gefragt, ob wir noch recht bei Trost wären, diesen bzw. einen solchen Hund aufzunehmen.

Wenn dieser kurze Erlebnisbericht hilft, das Blickfeld bei der Suche nach dem richtigen Partner ein klein wenig zu erweitern und der Leser nun bei der Entscheidungsfindung etwas neutraler und aufgeschlossener mal in alle Richtungen schauen kann, kann jedem ein klein wenig geholfen sein, da man sich zumindest wenigstens gedanklich auch mal kurz mit einer ganz anderen/ neuen Option beschäftigt und seinen Entschluss für den Einen oder die Andere mit noch mehr Überzeugung fällt."

Mit besten Grüßen C&T

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